Zum Hauptinhalt springen
PUMA M20 Protector als eines von drei neuen Robotiksystemen im Veyra-Katalog.
Hersteller & Technologien

PUMA M20, Aeo und Mirokaï: Drei neue Roboter im Veyra-Katalog

PUMA M20 Protector, Aeo und Mirokaï im Praxisvergleich: Welche Aufgaben, Umgebungen und Pilot-Kriterien über den passenden Robotik-Use-Case entscheiden.

11. Juli 20269 Min. Lesezeit

Thomas Beyer

Veyra Robotics

Teilen

Ein Roboter läuft eine nächtliche Kontrollroute über ein Werksgelände. Ein zweiter bringt Material durch Flure und soll dabei Türen und Aufzüge bedienen. Ein dritter empfängt Gäste, beantwortet Fragen und übergibt bei Bedarf an einen Menschen. Alle drei sind Robotiksysteme – betrieblich haben sie fast nichts gemeinsam.

Mit dem PUMA M20 Protector, Aeo und Mirokaï nehmen wir drei neue Robotiksysteme in den Veyra-Katalog auf. Für Entscheider ist daran nicht die Zahl der Neuheiten interessant, sondern ihre unterschiedliche Einsatzlogik: Nicht der spektakulärste Roboter entscheidet, sondern die Passung aus Aufgabe, Umgebung, Integration, menschlicher Übergabe und Betrieb.

Der Beitrag richtet sich an Verantwortliche in Mittelstand, Industrie und öffentlicher Hand, die Robotik in Innovation und Operations belastbar bewerten müssen.

Drei Produkte, drei unterschiedliche Einsatzlogiken

Die Systeme lösen nicht dieselbe Aufgabe auf drei verschiedene Arten. Sie stehen für drei grundsätzlich verschiedene Automatisierungslogiken: PUMA M20 bewegt Sensorik entlang definierter Routen, Aeo verbindet Mobilität mit physischer Handhabung, Mirokaï verbindet Service und Dialog mit einer bewusst sichtbaren, charakterorientierten Präsenz.

Damit verschiebt sich auch die Auswahlfrage. Wer nur Funktionen vergleicht, vermischt technische Möglichkeiten mit betrieblichem Nutzen. Wir starten deshalb bei fünf Punkten:

  • Aufgabe: Welcher konkrete Arbeitsschritt soll verlässlich ausgeführt werden?
  • Umgebung: Welche Böden, Übergänge, Menschenströme und Störfälle prägen den Einsatzort?
  • Integration: Welche Systeme, Türen, Aufzüge, Sensoren oder Workflows müssen angebunden werden?
  • Übergabe: Wann übernimmt ein Mensch, und wie wird diese Übergabe ausgelöst?
  • Betrieb: Wer plant Missionen, reagiert auf Abbrüche, wartet das System und bewertet die Ergebnisse?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich ein belastbarer Pilot zuschneiden. Der Veyra-Robotik-Katalog dient dabei als Ausgangspunkt für die Vorauswahl – nicht als Ersatz für Standortprüfung und Integration.

PUMA M20: Patrouille und Inspektion auf wiederkehrenden Routen

Der PUMA M20 Protector ist dann interessant, wenn ein Betrieb definierte Kontrollpunkte regelmäßig erreichen und dabei Sensorik durch Außen- oder Industrieareale bewegen will. Der Rad-Bein-Aufbau zielt auf mobile Patrouillen- und Inspektionsaufgaben, bei denen klassische Innenraumplattformen an Geländeübergängen oder anspruchsvolleren Wegen an Grenzen kommen können.

PUMA M20 Protector bei einer Inspektions- und Patrouillenaufgabe

Der sinnvolle Pilot ist keine freie Erkundungsfahrt. Er besteht aus einer klaren Route, festgelegten Kontrollpunkten und einem definierten Ergebnis je Punkt: etwa ein Bild, ein Sensorwert, eine Zustandsprüfung oder eine Meldung an die Leitstelle. So wird aus „der Roboter fährt“ ein überprüfbarer Prozess.

Echte Pilot-KPIs

  • Anteil vollständig absolvierter Routen ohne ungeplanten Eingriff
  • Quote korrekt erreichter und dokumentierter Kontrollpunkte
  • Zahl verwertbarer Meldungen im Verhältnis zu Fehlalarmen
  • Zeit vom erkannten Ereignis bis zur menschlichen Sichtung
  • manueller Betreuungsaufwand je Route und Schicht
  • sichere Rückkehr oder kontrollierter Stopp bei Störung

Kritische Prüfpunkte

Die Route muss bei unterschiedlichen Licht- und Witterungsbedingungen, auf realen Untergründen und an Engstellen getestet werden. Ebenso wichtig sind Funkabdeckung, Lade- oder Wechselprozesse, Sensorpositionierung, Sperrzonen und die Frage, wie Menschen oder Fahrzeuge dem System begegnen.

Hersteller positionieren PUMA für Patrouille und industrielle Inspektion. Daraus folgt keine pauschale Zusage für Dauerbetrieb, Wirtschaftlichkeit, Datenschutz, NIS 2, EU AI Act, CE-Konformität oder einen konkreten Standort. Diese Punkte müssen für Konfiguration, Einsatzland, Sensorik und Betriebsmodell separat geprüft werden. Mehr zum System: PUMA M20 Protector.

Aeo: Transport und Manipulation in einem mobilen Serviceprozess

Aeo passt zu Prozessen, in denen ein Roboter nicht nur von A nach B fahren, sondern unterwegs Gegenstände handhaben oder Infrastruktur bedienen soll. Aeolus Robotics positioniert das mobile Zweiarm-System unter anderem für Hol- und Bringdienste, Pflege und Monitoring sowie Patrouillen; auch das Öffnen von Türen und die Bedienung von Aufzügen gehören zur Herstellerdarstellung.

Aeo als mobiler Zweiarm-Serviceroboter für Transport und Manipulation

Gerade diese Kombination macht die Pilotierung anspruchsvoll. Ein Transportprozess ist erst dann Ende-zu-Ende automatisiert, wenn Übergabe, Behälter, Tür, Aufzug, Zielpunkt und Rückweg zusammen funktionieren. Ein erfolgreicher Demo-Griff beantwortet deshalb noch nicht, ob der gesamte Ablauf im täglichen Betrieb robust ist.

Echte Pilot-KPIs

  • Anteil vollständig abgeschlossener Aufträge vom Abruf bis zur Übergabe
  • Erfolgsquote bei Aufnahme, Transport und Ablage des definierten Objekts
  • Erfolgsquote je Tür- und Aufzugstyp im realen Prozess
  • durchschnittliche Warte- und Durchlaufzeit pro Auftrag
  • Zahl menschlicher Eingriffe, getrennt nach Ursache
  • Anteil ordnungsgemäß bestätigter Übergaben an Zielpersonen oder Stationen

Kritische Prüfpunkte

Zu prüfen sind zunächst die konkreten Objekte: Form, Verpackung, Griffpunkt, Ablagehöhe und Übergaberegel. Danach folgen Infrastruktur und Verkehr – Türkräfte, Taster, Aufzuglogik, Schwellen, Flurbreiten, Publikumsverkehr und temporäre Hindernisse. Auch Berechtigungen und Prioritäten müssen klar sein: Darf Aeo bestimmte Bereiche betreten, und was passiert, wenn ein Aufzug belegt oder eine Übergabe nicht möglich ist?

Die von Aeolus beschriebenen Fähigkeiten sind als Herstellerpositionierung zu verstehen. Türen, Aufzüge, Manipulation, Monitoring und Patrouille müssen mit der vorgesehenen Konfiguration am konkreten Standort validiert werden. Eine CE-Zusage leiten wir daraus nicht ab. Mehr zum System: Aeo.

Mirokaï: sichtbarer Service und Dialog mit klarer menschlicher Übergabe

Mirokaï ist für Situationen interessant, in denen die Qualität der Interaktion Teil der Aufgabe ist – etwa am Empfang, in Hospitality, auf Events oder in Gesundheitseinrichtungen. Enchanted Tools verbindet zwei Arme, ein animiertes Gesicht, Dialog und eine omnidirektionale Kugelplattform zu einem Charakter- und Serviceroboter, der bewusst nicht wie eine neutrale Transportmaschine auftritt.

Mirokaï als Charakter- und Serviceroboter für Empfang und Interaktion

Die zentrale Pilotfrage lautet hier nicht „Finden Menschen den Roboter sympathisch?“, sondern: Löst die Interaktion eine konkrete Serviceaufgabe besser oder verlässlicher? Das kann die Begrüßung, Orientierung, Erklärung eines Ablaufs, Begleitung zu einem Ziel oder Übergabe an Mitarbeitende sein. Dialog ohne Prozessanschluss bleibt Unterhaltung.

Echte Pilot-KPIs

  • Anteil korrekt erkannter Anliegen innerhalb des definierten Themenumfangs
  • Quote erfolgreich abgeschlossener Orientierungs- oder Servicevorgänge
  • Anteil rechtzeitig und korrekt an Mitarbeitende übergebener Fälle
  • Abbruch- und Wiederholungsrate bei Dialogen
  • Wartezeit bis zur menschlichen Übernahme
  • Akzeptanz bei Gästen und Mitarbeitenden, getrennt nach Zielgruppen

Kritische Prüfpunkte

Für den Pilot braucht Mirokaï einen eng begrenzten Dialograum, aktuelle Inhalte und eindeutige Eskalationsregeln. Akustik, Sprachen, Barrierefreiheit, Blickachsen, Bewegungsflächen und die Wirkung auf unterschiedliche Nutzergruppen gehören in den Test. In sensiblen Umgebungen ist außerdem festzulegen, welche Daten verarbeitet werden, wer Gesprächsinhalte pflegt und wie eine Person jederzeit übernehmen kann.

Enchanted Tools positioniert Mirokaï für soziale Serviceaufgaben in Gesundheit, Hospitality, Events und weiteren öffentlich sichtbaren Bereichen. Das ist keine medizinische Wirksamkeitsaussage und keine pauschale Zusage zu Autonomie oder CE-Konformität. Die konkrete Aufgabe, Konfiguration und Betriebsgrenze müssen vor Ort validiert werden. Mehr zum System: Mirokaï.

Der kompakte Vergleich

System Passende Einsatzlogik Pilotbeweis Häufigster Risikotreiber PUMA M20 Protector Sensorik auf wiederkehrenden Patrouillen- und Inspektionsrouten Route, Kontrollpunkte und Eskalation funktionieren reproduzierbar Gelände, Konnektivität und Ereignisbewertung Aeo Mobiler Service mit Transport und Manipulation Auftrag gelingt Ende-zu-Ende inklusive Infrastruktur und Übergabe Objektvielfalt, Türen, Aufzüge und Ausnahmen Mirokaï Sichtbarer Service, Dialog und Begleitung Anliegen wird gelöst oder sauber an Menschen übergeben Dialoggrenzen, Akzeptanz und Prozessanschluss

Die Tabelle ist keine Rangliste. Ein PUMA ersetzt keinen dialogorientierten Empfang, Aeo ist nicht automatisch die beste Plattform für jede Transportaufgabe, und Mirokaï sollte nicht an einer reinen Streckenleistung gemessen werden. Das richtige System ist dasjenige, dessen Einsatzlogik zum Engpass des Prozesses passt.

Pilot-Checkliste: Was vor der Entscheidung feststehen muss

Ein guter Pilot reduziert Unsicherheit. Er ist weder eine unverbindliche Demo noch bereits der Rollout. Wir empfehlen, sechs Prüfbereiche schriftlich festzuhalten.

Prozess und KPI

  • Start, Ende und zulässige Varianten des Prozesses definieren
  • messbaren Ausgangswert ohne Roboter erfassen
  • höchstens drei primäre Erfolgskriterien und klare Abbruchkriterien vereinbaren
  • Fehlerarten getrennt dokumentieren statt nur eine Gesamtquote zu bilden

Umgebung

  • reale Wege, Böden, Übergänge, Licht, Akustik und Menschenströme testen
  • temporäre Hindernisse und Spitzenzeiten einbeziehen
  • Arbeits- und Sperrbereiche sowie sichere Zustände festlegen

Integration

  • benötigte Schnittstellen, Rechte und Verantwortliche benennen
  • Türen, Aufzüge, Leitstellen, Auftrags- oder Content-Systeme einzeln prüfen
  • festlegen, welche Ereignisse protokolliert und wohin sie übergeben werden

Mensch und Fallback

  • menschliche Übergabe mit Auslöser, Empfänger und Reaktionszeit definieren
  • manuellen Betrieb, kontrollierten Stopp und Wiederanlauf erproben
  • Mitarbeitende früh einbinden und Schulungsbedarf erfassen

Daten und Compliance

  • Datenarten, Zweck, Speicherort, Zugriff und Löschung dokumentieren
  • Datenschutz, Informationssicherheit und gegebenenfalls regulatorische Rollen prüfen
  • erforderliche Nachweise für die konkrete Konfiguration vor Beschaffung klären

Betrieb

  • Zuständigkeit für Missionen, Inhalte, Updates, Wartung und Störungen festlegen
  • Verbrauchsmittel, Ladeprozesse, Ersatzteile und Supportwege prüfen
  • Pilotkosten und laufenden Aufwand vollständig erfassen

Vom Katalogeintrag zur belastbaren Entscheidung

Die drei neuen Systeme erweitern den Veyra-Katalog nicht einfach um mehr Auswahl. Sie machen sichtbar, warum Robotikbeschaffung ohne Use-Case-Design schnell in die falsche Richtung läuft. Ein technisch starkes System kann betrieblich ungeeignet sein; ein weniger spektakulärer Ansatz kann den klareren Nutzen liefern, wenn Prozess, Umgebung und Übergabe stimmen.

Unsere Rolle sehen wir deshalb nicht darin, Unternehmen möglichst schnell auf ein Produkt festzulegen. Wir wollen die Aufgabe schärfen, Systeme vergleichbar machen, kritische Annahmen in einen Pilot übersetzen und früh sichtbar machen, was für Integration und Betrieb fehlt.

Sie prüfen einen Patrouillen-, Transport- oder Service-Use-Case und möchten wissen, welches System wirklich dazu passt? Sprechen Sie mit Veyra über Ihren konkreten Robotik-Piloten. Wir strukturieren mit Ihnen Aufgabe, Standortprüfung, KPIs, Integration und Betrieb – produktneutral und mit einem klaren nächsten Entscheidungspunkt.

Thomas Beyer

Thomas Beyer

Co-Founder & CTO, Veyra Robotics

Direkt mit Thomas über technische Umsetzung sprechen

Robotik wird erst wertvoll, wenn sie in echte Prozesse passt. Thomas unterstützt Unternehmen dabei, konkrete Use Cases zu analysieren, passende Systeme zu bewerten und Pilotprojekte technisch sauber aufzusetzen.

Use-Case-Analyse · Integration · Pilotierung · Technologieauswahl

Mit Thomas über Use Cases sprechen

Weitere Insights

Veyra Insights Cover zu skalierbaren Robotik-Use-Cases im Mittelstand

Warum Robotik für Unternehmen erst dann skalierbar wird, wenn aus Demos wiederholbare Use Cases, Blueprints und Betriebsmodelle entstehen.

Thomas Beyer

Veyra Robotics

Weiterlesen

Bereit für den Einstieg in die Robotik?

Lassen Sie uns gemeinsam Ihr Unternehmen mit Robotik zukunftssicher aufstellen.

Jetzt Kontakt aufnehmen